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Musik Was wäre ein Tanz ohne Musik? Richtig, gar nichts! Also gibt es auch zum Lindy Hop und zu unseren anderen Tänzen eine Musik, die uns alle beflügelt und unsere Füße "hoppen" lässt: Der Swing! Was ist Swing nun genau? Hört mal hinein, zum Beispiel über Webradio der Sender The 1920's Radio Network, KCEA-FM Big Band Swing, Swing Chicago, Swing'FM – 101.2 / Limoges oder eben auch Swiss Internet Radio – Radiocrazy. Und? Habt Ihr genossen, was zu hören war oder viel besser noch, habt Ihr erkannt, was Ihr gehört habt? Aber sicher doch, Swing ist genau die musikalische Richtung, die sich gegen Ende der 20er aus dem relativ frei improvisierten und vor alledem aus kräftigen instrumentalen Einzelstimmen bestehenden New-Orleans-Jazz der farbigen Bevölkerung der USA entwickelte und charakteristisch häufig von den neu entstandenen Big Bands gespielt wurde. Neuartig war, dass Einzelinstrumente zu größeren gleichartigen Sektionen kombiniert wurden und neben einem Band-Leader dem Arrangeur des Ensembles große Bedeutung zukam. Musste er doch die genauen Fähigkeiten seiner Musiker und deren Instrumente kennen, um gesamtschlüssige Arrangements erzeugen zu können. Viele geniale Musiker aus der anfänglichen Swing-Richtung waren somit auch als Arrangeure und Band-Leader tätig. Große Namen sind hier sicher Benny Goodman, Duke Ellington, Count Basie, Glen Miller, Jimmy Dorsey, Woody Herman und viele mehr. Sie alle erschufen den unvergleichbaren groovigen Swing-Big-Bang-Sound der 20er, 30er und 40er Jahre. Duke Ellingtons Spruch und Lied zu Lebzeiten war: "It don't mean a thing if it ain't got that swing" Und der Junge hatte recht. Hört hinein in Werke wie "Sing, Sing, Sing", "It don't mean a thing ...", "Shout and feel it", "In the mood", "Jumpin' at the woodside" und vieles mehr aus der Zeit! Zeitgleich entwickelte sich auch der Gesang dazu. So ist zum Beispiel Ella Fitzgerald eine der ganz großem Damen der Zeit mit einer gesegneten Stimme. Drei Schwestern machten in den jungen 30er Karriere als die Andrews Sisters. Titel wie "Bei mir bist du schoen" sind Welthits, überall bekannt und beliebt. Nach 1947 mit dem großen Big-Band-Sterben brauchte es einige Jahre, bis neue Bands für neuen Schwung im Swing sorgten, so zum Beispiel Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior, auch bekannt als das Rat Pack oder Ray Charles, Cab Calloway uvm. Swing war nun auch gesellschaftlich anerkannt und populär und fand mit dem Rat Pack sogar seinen Weg auf die Show-Bühnen von Las Vegas. In den 50ern, den 60ern und den 70ern wurde der Swing in den klassischen Diskotheken, den Clubs und den Ballrooms zunehmend durch Nachfolgeentwicklungen wie den Rock'n'Roll, den Boogie Woogie und den Twist ersetzt. Gerade auch die damalige Jugend stand eher auf Rockabilly-Musik, Elvis Presley, die Rolling Stones oder ähnliches. Dadurch wurde Swing zu einer Musik der wirklichen Kenner und tanzbegeisterten Fachleute, sind doch viele Basics und Moves dieser neueren Tänze allesamt aus dem Lindy Hop und dem Swing abgeleitet. Der Swing stellt sozusagen die Urform aller dieser Tänze dar! Mit den aufkommenden tontechnischen Möglichkeiten der 80er Jahre fanden bisweilen nur wenige neue Titel im Swing-Stil den Weg in die Plattenläden. Erstaunlich ist allerdings, dass die aufkommende Hip-Hop-Bewegung sich in ihren Moves am Swing und am Lindy Hop orientierte. Gerade die Aireals sind in den Grundaufbauten bei beiden Tänzen sehr ähnlich. An modernen Kompositionen und zeitgenössischen Interpretationen moderner Musikrichtungen in die Thematik Swing mangelte es freilich nach wie vor. Dies sollte sich erst Mitte der neunziger Jahre ändern. Ausgerechnet einer der größten Meister des Boogie, Brian Setzer, machte einen Schritt zurück in die Richtung des alten Swing, also mit einem großen Ensemble. Allerdings spielten die nicht mehr den klassischen Swing, sondern kombinierten Akkorde und Melodien des Boogie oder des Rockabilly mit der gemütlichen Tonart und Spielweise des Swing, allerdings bisweilen mit atemberaubenden Tempo. Der Neo-Swing war geboren. Mehrere Bands wie die "Squirrel Nut Zippers", die "Big Bad Voodoo Daddies" oder auch die "Cherry Poppin' Daddies" verbreiten den Neo-Swing momentan in der Welt und sorgen so für neues Aufsehen in der "Branche". Doch auch die Altmeister finden in neueren Orchestern nachwievor die Begeisterung und Anerkennung, die sie verdienen. Herausragend in diesem Zusammenhang ist das Swing Dance Orchestra unter der Leitung von Andreij Hermlin, der mit seinen Jungs sowohl originalen 30er-Jahre-Sound, moderne Big-Band-Akustik als auch interpretierende Neuauflagen beherrscht. Die Konzerte des Orchesters sind immer einen Besuch wert. Lokal in Norddeutschland bekannt ist eine mittlere Kombo aus Hildesheim, die sich auf den Namen Pinkspots tauft. Ann-Kathrin, Wiebke und Mirle heizen Euch mit ihrem schrillen pinken Bühnenauftritt, ihrem Orchester und ihrer berauschenden Performance im Stile der 30er Jahre mächtig ein. Wiebke und Mathias tanzen mittlerweile selbst regelmäßig unter anderem auch zu ihrer eigenen Musik in der Dance 'n' Swing Company Lindy Hop. Eine im Braunschweiger Umland aktive Band ist das Prime Time Orchestra, welches auf vielen freien Veranstaltungen für Spaß an der Swing-Musik sorgt. Als klassisches BigBand-Orchestra sind hier nahezu alle Instrumentengruppen in entsprechender Besetzung vorhanden. Das PTO begleitete die Dance 'n' Swing Company und die Steptanz-Gruppe der TU Braunschweig bei der legendären Swing Revue "Eine wilde Nacht im Cotton Club" im Jahre 2004. Man kann gespannt sein, was der Swing in Zukunft noch alles bewegt und welche Neuinterpretationen die Musikwelt auflockern. Wir sind gespannt und dabei! |